Modelle erinnern an Schicksale :: 06.08.2009

Sassnitz. (ostSeh) Noch bis September geht die Sonderausstellung Sassnitzer Schiffsmodelle im Fischerei- und Hafenmuseum. Und wer denkt, „nur Modelle,“ hat den Lebenslauf mancher Schiffe über mehrere Jahrzehnte unterschätzt. So liegt das beispielsweise das Modell des Dampfers Nautilus. Erbaut 1935 in Rostock und später gelaufen bei der Weißen Flotte in Stralsund. In diesem Fall nicht die sächsische Variante eines Dampfers, bei der ja bekannter Weise jedes Schiff ein Dampfer ist, sondern es handelt sich bei dem Schiff der Reederei Alwert aus Wiek auf Rügen wirklich um einen.

Als zehnjähriger machte der Chef des Fördervereins für das Fsicherei- und Hafenmuseum, Achim Wöllner, seine erste Seefahrtserfahrung damit. Beim Datum des November 1945 wird jedem klar sein, dass diese Erfahrung eine war, auf die er vielleicht gerne verzichtet hätte, als es von Schlesien über Stralsund in das Quarantämelager Bug auf Rügen ging. So landete Achim Wöllner wie viele andere auf Rügen und wer die Geschichte still fortdenkt, erinnert sich auch an jene tausenden Flüchtlinge, die beispielsweise mit der Wilhelm Gustloff die Ostseequerung im Jahr davor nicht schafften. Die Nautilus übrigens machte den umgekehrten Weg vieler hiesiger Schiffe. Sie wurde 1990 an den Pfahl gelegt und durfte 1992 nach Travemünde ausreisen.
Auch das Segelschiff Anna Susanna erzählt eine Geschichte. Das Geschenk des Ostseegymnasiums spielte 1952 im DEFA-Krimi Anna Susanna mit, bei dem der Hamburger Reeder Brinkmann während der Weltwirtschaftskrise 1929 sein Schiff ohne Rücksicht auf die Besatzung versenkt, um die Versicherungssumme zu kassieren. Es erinnert auch ein wenig an die Zeiten, als die Fischer und Schiffe von Sassnitz etliche Rollen in Filmen besetzten, wenngleich die überlebenden Seeleute in diesem Fall auch vor Gericht gegen den Reeder den kürzeren zogen. 
Der gesamte Raum für Sonderausstellungen ist mit zahlreichen Schiffen und deren Geschichten in Vitrinen gefüllt. Bemerkenswert dabei, dass sich Sassnitzer Modellbauer häufig Unikate nach historischem Vorbild erschaffen, deren Erinnerung so mitsamt den Geschichten bestehen bleibt. Übrigens: vor dem Museum liegt noch ein richtiger Kutter und die alten Seebären darauf erzählen ihre Geschichte sogar leibhaftig.
Anzuschauen bis September von 10 Uhr bis 17.30 Uhr.
© 2009 ostSeh / ANDREAS KÜSTERMANN

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