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Rügen stabil im Gastro-Wettstreit


Rügen stabil im Gastro-Wettstreit :: 25.08.2009

Rügen. (ostSeh) Das wird ja noch ein wenig dauern, bis andere lokale Medien durch Fremdautoren darauf aufmerksam gemacht werden, dass der neue Feinschmecker erschienen ist. Und dass Gastronomie auf Rügens größter Insel Wirtschaft bedeutet.

Schaun wir also mal, wie lange. 
Das Heft neun für September jedenfalls kürt die neuen und alten, vor allem aber 600 besten Restaurants Deutschlands. Und da gibt es einige Querverbindungen für Deutschlands Schönste zu betrachten. Wenngleich Rügen dabei nicht unbedingt die erste Geige spielt. Die Insel hat zwar Masse, doch, wie im Tourismus, nicht imme die ausreichende Klasse. Doch der Mann mit der diesjährigen ersten Geige des besten Restaurants des Jahres, Frank Rosin, hat ja immerhin mal auf Rügen in einer Küche als Gast fürs Foto die Kartoffelpfanne geschwenkt, damit der Rosmarin Geschmack abgibt. Genützt hat es dort zumindest nichts. 

Unweit davon jedoch hat sich von Usedom kommend und ursprünglich aus dem Scharzwald, an der Promenade Ralf Haug mit seiner ‚nixe‘ angesiedelt. Er ist für Rügen neu im Feinschmecker mit 1,5 F. Und bekommt gleich Geschmacksgemälde attestiert, heimst gar den Bewertungssatz ein, „Ralf Haug könnte ein Großer werden.“ Das braucht die Insel, wenngleich sie auch etwas mehr Kommunikation mit dem wortkargen Koch vertragen würde.

Wandert der Gast die Bäderküste weiter runter, bleibt erfahrungsgemäß auf Rügen zumindest für den Feinschmecker nicht mehr sehr viel. Es sei denn, die Gäste empfehlen penetrant das ihrer Meinung nach unterschätzte Restaurant, von denen der Autor selbst auch zwei bis drei auf der Insel wüsste. Offiziell kommt nun das Dorint –Hotel Park Ambiance in Sellin unter Küchendirektor Stefan von Heine. Das punktet ebenfalls mit 1,5 „F“ und es heißt, „kein anderer Koch der Insel ist so aktiv wie Stefan von Heine.“ Wie wahr! Und dieser quittiert es mit Freude. Hält er doch trotz Auf und Ab diese gastronomische Bewertung auch durch seine ‚erlebte landschaften‘ auf Rügen seit sieben Jahren.

Im Süden der Insel liegt Göhren. Dort hält das ‚Meeresblick‘ als letztes Restaurant des Rüganer Ensembles die beste Note mit zwei „F“. Nicht ohne auch eine kräftige Ohrfeige für Restaurantleiter Steffen Woller ausgeteilt zu bekommen. „..dafür nehmen wir auch den distanzlos schwadronierenden Oberkellner in Kauf. Noch.“ Also Achtung. Mancher Feinschmecker bewertet auch Ambiente. Dennoch bleibt zu bemerken, dass es André Vujtech geschafft hat, trotz aller Skepsis den Platz nach Peter Knobloch an der Spitze des offiziellen Rankings mit dem von seinem Maitre erarbeiteten Konzept der Wiesenkräuter zu halten. „Ganz ohne Schäumchen und Anrichteakrobatik“, erläutern die Tester die subjektive Komponente des halben Punktes Unterschied. Man beachte: auch auf die Nebentöne kommt es an.

Große Töne werden gerne auf und über Sylt gespuckt. Tatsächlich aus Gründen gewachsener Substanz und, nicht zu vergessen, einem zahlungskräftigen Publikum, das die Locations annimmt. Und die Leistung einer Spitzenküche finanzierbar macht. Eben verglich der Stern wieder Rügen mit Sylt, was aus Gründen, die bei der Größe liegen, eigentlich nicht geht und dennoch immer wieder praktiziert wird. Nun ja, ist ja auch reizvoll und Konkurrenz belebt das Geschäft. 

Bei Sylt sind 1,5 „F“ das Minimum, bei manchem wie dem ‚Kleinen Restaurant‘ in Westerland gar schon eine Abwertung, drei bis vier „F“ jedoch fast schon normal im Reigen der konstant zehn Gastronomen. Das ‚Fährhaus‘ in Munkmarsch oder Jörg Müllers Hotel führen.

Am Ende nochmals Rügen. Denn auch der Feinschmecker weiß, dass nicht alle, die rausfallen, wegen Qualitätsmängeln abgetreten sind. Auch die Krise ist verantwortlich. Immerhin werden diese dann nochmals positiv genannt. Eine „Ehre“, die auch dem ‚negro‘ im Binzer Hotel ‚ceres‘ zuteil wird. Als eines von nur drei bundesweit bekommt es den Verlust seines Platzes als „zuletzt leider nicht mehr empfehlenswert“ kommentiert. Dabei war gerade das ‚negro‘ höchst erstaunlicher weise fast parallel zur Eröffnung schon im Feinschmecker vertreten, als sich alle fragten, wann denn um Himmels Willen da die Tester getestet haben wollen. 
Da kann es doch schlussendlich manchen Sitzenköchen und Inhabern von Gutshäusern oder anderem lieber sein, wie jedes Jahr auch diesmal wieder das nette und diskrete Absage-Schreiben aus der Redaktion für den Feinschmecker-Guide zu erhalten. So nach dem Motto: ganz nett aber eben nicht ausreichend für unsere Empfehlung. Diskret allerdings nur so lange, wie es der Empfänger nicht voller Zorn herumzeigt.

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